Rückblick: Pflege neu denken – im Dialog mit der Praxis
Unna. Im AWO Marie-Juchacz-Seniorenzentrum in Unna kamen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Pflegepraxis, Trägerschaft, Politik und Gesellschaft zusammen, um über die Zukunft der Pflege im Kreis Unna zu diskutieren. Eingeladen hatten die SPD-Kreistagsfraktion Unna und die SPD-Landtagsfraktion.
Als heimischer Landtagsabgeordneter war es mir besonders wichtig, diese Debatte direkt vor Ort zu führen dort, wo Pflege täglich geleistet wird und die Herausforderungen konkret spürbar sind.
Bereits zu Beginn wurde deutlich: Die bisherigen Reformansätze greifen zu kurz. Pflege muss konsequent von den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen aus gedacht werden und von den Erfahrungen derjenigen, die täglich Verantwortung tragen.
Ein eindrucksvoller Praxisbericht machte sichtbar, wie stark Einrichtungen durch Fachkräftemangel, steigende Kosten und wachsende bürokratische Anforderungen belastet sind. Gleichzeitig wurde ebenso klar: Die Motivation der Beschäftigten und ihr Engagement für die Bewohnerinnen und Bewohner sind ungebrochen.
Lisa Kapteinat ordnete die aktuellen Eckpunkte der Pflegereform auf Landesebene ein und zeigte auf, wo aus Sicht der SPD weiterer Handlungsbedarf besteht, insbesondere bei der Finanzierung, der Entlastung von Angehörigen und der Stärkung kommunaler Strukturen.
Die Moderation des Abends übernahm Maik Luhmann. In der offenen Diskussionsrunde wurden zahlreiche konkrete Verbesserungsvorschläge formuliert von flexibleren Versorgungsmodellen über bessere Ausbildungsbedingungen bis hin zu einer verlässlicheren Refinanzierung für Träger.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Immer mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen sind pflegebedürftig, während Einrichtungen, ambulante Dienste und pflegende Angehörige zunehmend unter Druck geraten. Pflege darf weder zur Überforderung noch zum Armutsrisiko werden.
Die SPD-Landtagsfraktion hat hierzu konkrete Vorschläge vorgelegt:
Einführung von Pflegelotsen als feste Ansprechpartner
Ausbau der Tages- und Kurzzeitpflege
Stärkung der ambulanten Dienste
Entbürokratisierung durch digitale Lösungen
Mehr Investitionen in Pflegeschulen
Begrenzung der Eigenanteile im Pflegeheim
Unser Fazit des Abends ist klar:
Die Pflege braucht mehr als gute Worte. Sie braucht tragfähige Strukturen, eine faire Finanzierung und politische Entscheidungen, die die Realität vor Ort ernst nehmen.
Die zahlreichen Wortmeldungen haben gezeigt, wie groß der Gesprächsbedarf ist – und wie wichtig es ist, diesen Dialog fortzusetzen. Die Impulse aus Unna nehmen wir mit in die parlamentarische Arbeit nach Düsseldorf.
Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir bleiben dran.